Zunächst: Hier dreht sich ein roter “Propeller” vor grünem Hintergrund. Fixieren wir nun den zentralen Punkt; den Blick sozusagen “hängen lassen”. Nach einigen Sekunden: Das Grün unter dem Fächer ist grüner als auf dem umgebenden Ring, und die roten Fächerblätter sind röter als die zentrale rote Scheibe, die leicht gräulich wird.
Man kann die Farben tauschen, über das Popup-Menü andere Voreinstellungen als “Rot auf Grün” auswählen oder durch Klicken auf die Farbfelder eine beliebige Farbe frei wählen.
Wenn “Grau” als eine Farbe ausgewählt wird (z. B. einen der unteren vier Einträge im Popup-Menü), sieht man, dass sich der Grauton hinter dem Fächer leicht in die Komplementärfarbe ändert (z. B. Cyan bei einem roten Fächer). Die Rotationsgeschwindigkeit (voreingestellt auf 15 Umdrehungen pro Minute) hat kaum Auswirkungen.

Dies ist ein typisches Beispiel für Farbadaptation, wie generell bei Nachbildern. Wenn die Farbe dauerhaft sichtbar ist, führt die Adaptation zu einer Entsättigung. Unterbrechungen durch eine andere Farbe (insbesondere durch eine (nahezu) Komplementärfarbe) wirken dieser Entsättigung entgegen.
Die benachbarte Abbildung zeigt eine vereinfachte Erklärung im CIE-Farbdreieck, wo additive Mischung und Adaptation als Vektoroperationen dargestellt werden. Beispiel: Ein roter Fächer auf grünem Grund: Anfänglich befindet sich der Grünpunkt an der Spitze des Dreiecks (1). Die Adaptation führt dann zu einer Entsättigung in Richtung Neutral (2); das ist das Grün, das wir am äußeren Ring wahrnehmen. Der dazwischenliegende Fächer adaptiert jedoch vom roten Ende her in Richtung Neutral – addiert man dies zur adaptierten Grünposition, verschiebt sich die Wahrnehmung des Grüns unter dem Fächer zum Ende des Pfeils (3, „De-Adaptation“).
Der Hauptort dieser Art von Farbadaptation sind die retinalen Ganglienzellen (Zaidi et al. 2012). Der “Lila Jäger” verdeutlicht die Stärke der Farbadaptation deutlich stärker.
Bernhard Rassow✝ erwähnte diesen Effekt mir gegenüber (vielen Dank!); es klang interessant, also habe ich’s programmiert. Er muss wohl bekannt sein, aber wir haben bisher keine Quelle gefunden.
Zaidi Q, Ennis R, Cao D, Lee BB (2012) Neural Locus of Color Afterimages. Current Biology 22: 220–224