Schnelle Gesichts-Sequenzen scheinen verzerrt

Optische Täuschungen & Sehphänomene von Michael Bach

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Was sehen wir hier?

Fixieren wir das Kreuz in der Mitte zwischen den blinkenden Gesichtern und vergleichen mit unserem “inneren Auge” die Gesichter, wie sie laufend erneuert werden. Wirken sie gelegentlich grotesk verzerrt? Wenn man die Gesichter direkt anschaut ist keine Verzerrung zu sehen.

Was kann ich noch tun?

Zunächst: Manchmal glaubt man gar nicht, dass das Gesicht nicht doch wirklich verzerrt ist. In diesem Fall: Wiedergabe mit der Leertaste, dann können wir mit dem Indexzähler oder einfacher mit den Pfeiltasten ← → zurückblättern. Was sogar sehr gut geht: mit den Pfeiltasten zwischen Paaren hin- und her blättern.

Es gibt verschiedene Parameter, deren Einfluss auf den Effekt wir untersuchen können: den Abstand (horizontaler Schieberegler), die Darstellungsgeschwindigkeit und die Ausrichtung der Gesichter (Drehregler links neben dem Abstand).

[Es gibt insgesamt 40 Gesichtsbilder, die in zufälliger Reihenfolge erscheinen. Nachdem alle durch sind, wird die Reihenfolge neu gemischt. Sie wurden (mit geringfügigen Abweichungen) dem Originalfilm entnommen.]

Kommentare

Dieses Phänomen wurde 2011 erstmals von Jason Tangen, Sean Murphy und Matthew Thompson gezeigt und erreichte den zweiten Platz beim “illusion contest” 2012. Bescheiden weisen die Autoren darauf hin, dass es eine Zufallsentdeckung war – doch muss man den Zufall dann wahrnehmen und verfolgen. Anfänglich ging man davon aus, dass auf dem Kopf stehende Gesichter weniger verzerrt sind, doch Balas & Pearson (2019) quantifizierten (unter anderem), dass invertierte Gesichter einen sehr ähnlichen Effekt haben.

Wie funktioniert das?

Das ist derzeit noch nicht ganz klar. Es ist sehr wahrscheinlich, dass eine high-order-Adaptation (z. B. Webster et al., 2004) eine Rolle spielt. Tangen et al. schreiben: “Die Verzerrung entsteht durch die vielen Unterschiede zwischen den einzelnen Gesichtern. Ein besonders gebräuntes Gesicht lässt beispielsweise das nächste blass erscheinen, und zusammengekniffene Augen lassen normale Augen hervortreten.“ Der aktuelle Forschungsstand lässt sich wie folgt zusammenfassen: “Der Blitzgesichtsverzerrungseffekt ist eine nicht gesichtsspezifische optische Täuschung, die primär auf der erhöhten wahrgenommenen Unschärfe im peripheren Sehen beruht und zudem eine ausreichende Darbietungszeit pro Bild erfordert, damit eine gewisse schnelle Anpassung an das Aussehen des Gesichts auf mittlerer Ebene erfolgen kann.” Gao et al. schließen aus ihren Ergebnissen, dass der zugrundeliegende Mechanismus im Kortex arbeitet.

Quellen

Tangen JM, Murphy SC, Thompson MB (2011) Flashed Face Distortion Effect: Grotesque Faces from Relative Spaces. Perception 40:628–630

Balas B, Pearson H (2019) The Flashed Face Distortion Effect Does Not Depend on Face-Specific Mechanisms. Sci Rep 9:1612

Webster MA, Kaping D, Mizokami Y, Duhamel P (2004) Adaptation to natural facial categories

Gao Y, Miller KN, Webster MA, et al (2024) Time course and neural locus of the Flashed Face Distortion Effect. Vision Research 224:108492

Wikipedia: “Flashed face distortion effect

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