Das Enigma

Optische Täuschungen & Sehphänomene von Michael Bach

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Was sehen wir hier?

Wenn man ruhig in das Zentrum der Figur schaut, dann bemerkt man eine Unruhe im Bild. Die Streifen beginnen zu szintillieren oder zu flackern, und in den Ringen scheint etwas umher zu sausen. Die Erscheinungen sind veränderlich und auch unterschiedlich von Person zu Person.

Der isralische Maler Isia Leviant (1914–2006) betitelte dieses Bild 1981 mit “Das Enigma”. Es wurde einige Jahre in der Ausstellung “Euréka” im Palais de la Découverte in Paris ausgestellt. Aktueller Standort wahrscheinlich in der National Gallery of Art, New York, USA https://www.nga.gov/collection/art-object-page.170882.html

Beim obenstehenden Bild handelt es sich nicht um eine Reproduktion des echten Enigma, sondern um das Ergebnis eines Programmes, fein abgestimmt, um dem Original möglichst nahe zu kommen. Man die Farben ändern, der Effekt bleibt, daran erkennt man, dass die Scheinbewegungen nicht von den genauen Farben abhängen.

Wie funktioniert das?

Die Effekte werden wohl durch Augenbewegungen entstehen (Zanker 2004), wie oft in der Op Art. Voraussetzung ist eine Periodizität in den Mustern; doch überrascht, dass die Bewegung in die unstrukturierten Ringe übergreift. Dass im “Bewegungszentrum” (Area MT) des Gehirns entsprechende Aktivität auftritt (Zeki et al. 1993) überrascht nicht, erklärt den Mechanismus aber nicht.


Quellen

Leviant I (1982) Illusory motion within still pictures: The L-effect. Leonardo 15:222–223

Zeki S, Watson JD, Frackowiak RS (1993) Going beyond the information given: the relation of illusory visual motion to brain activity. Proc R Soc Lond B Biol Sci 252:215–22

Leviant I (1996) Does ‘brain-power’ make Enigma spin? Proc R Soc London B 263:997–1001

Zanker J (2004) Naturwissenschaften 91:149–156. PDF:

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