Du siehst eine Anzahl von “blauen Kugeln”, die sich auf dem Bildschirm von links nach rechts oder von rechts nach links bewegen. Die Bewegungsgeschwindigkeit der einzelnen Punkte auf dem Bildschirm ist nicht konstant. Aber anstatt 2D-Bewegungen einzelner Kugeln mit variierender Geschwindigkeit zu sehen, sehen wir eine starre 3D-Rotation eines kreisförmigen Zylinders. Die Gestalt-“Theorie” besagt, dass unser visuelles System die starre 3D-Interpretation gegenüber einer nicht-starren 2D-Interpretation bevorzugt, weil erstere einfacher ist.
Bei längerer Beobachtung kann eine spontane Tiefenumkehr auftreten: Die Rotationsrichtung des Zylinders kehrt sich scheinbar um. Das ist der Necker-Würfel-Effekt, aber das ist eine andere Täuschung ;-).
Wenn Depth angehakt ist, erscheinen weiter entfernte Kugeln dunkler, dies verhindert spontane Tiefenumkehr. Du kannst um andere Achsen rotieren (🔄X und 🔄Z). Die Kugeln haben eine begrenzte Lebensdauer (Max t[s]), sodass das Muster nicht konstant bleibt, dennoch bleibt die 3D-Zylinder-Wahrnehmung erhalten.
Interessanterweise verschwindet der Tiefeneffekt weitgehend, wenn die Kugeln und Hintergrund sich nur in Farbe, nicht in Helligkeit unterscheiden, wie hier demonstriert.
Das Erscheinen des 3D-Zylinders wurde von Wallach und O’Connell (1953) als “kinetischer Tiefeneffekt” bezeichnet [sie verwendeten viel einfachere rotierende Strichfiguren oder Konturen, um das Phänomen zu demonstrieren]. Wenn ein Computeralgorithmus 3D-Formen aus einer 2D-Bildsequenz rekonstruiert, wird dies “structure from motion” genannt (Ullman 1979).
Die “Kugeln” sind zufällig auf der Oberfläche eines vertikalen Zylinders verteilt. Ich wende dann eine kombinierte Rotationsmatrix auf alle (homogenen) Koordinaten der Kugeln an: zuerst eine auto-inkrementierende Rotation um die vertikale y-Achse, dann eine Rotation um die z-Achse (die aus dem Bildschirm herauszeigt) und schließlich um die nach rechts zeigende x-Achse. Wenn die Tiefendisambiguierung aktiv ist, wird die Sättigung der Kugeln mit der normalisierten z-Komponente moduliert (allerdings werden keine Überdeckungs-Prioritäten beachtet).
Wallach H, O’Connell DN (1953) The kinetic depth effect. Journal of Experimental Psychology 45:205–217
Ullman S (1979) The interpretation of structure from motion. Proc of the Roy Soc of London. Series B, Biological Sciences: 203(1153), 405–426