Immer wieder bekomme ich Anfragen, was man gegen den Schaden tun könne, der vom blauen LED-Licht ausgehe, sei es bei Bildschirmen oder Wohnzimmer-LEDs.

Was soll man tun? Gar nichts, denn es geht davon kein Schaden aus!¹

Im Internet und den unsozialen Netzwerken, auch im Fernsehen, findet man immer wieder die Behauptung, dass LED-Beleuchtung gefährlich sei, da der Blauanteil der meisten LEDs höher ist als im Tageslicht. Man findet Aussagen wie: “… löst Augenkrebs aus”, und gleich wird ein Geschäft draus gemacht: Es werden Blaulichtfilter für Bildschirme und entsprechende Brillen angeboten.

Sachlage

Wissenschaftliche Informationen

Meine oben etwas plakativ formulierte “starke Meinung” beruht auf diesen Informationen:

Schlaf und zirkadianer Rhythmus

Mit dem angeblichen Augenschaden, der von LEDs ausgeht, wird oft der Blau-Einfluss auf den Schlaf-Wach-Rhythmus vermischt. Das ist aber etwas anderes und recht komplex, dazu braucht’s einen separaten Blog-Beitrag. Nur kurz hier: helles Licht vor dem Einschlafen, egal aus welcher Lichtquelle, ist suboptimal für guten Nachtschlaf. Bei weniger als (melanopischen²) 10 lx gibt es praktisch keinen Einfluss mehr auf den Melatoninspiegel (Recommendations for healthy daytime, evening, and night-time indoor light exposure (preprint 2021), Fig. 2).

Für den zirkadianen Rhythmus macht es offenbar keinen Unterschied, ob nach Kataraktextraktion (grauem Star) eine intraokulare Linse eingesetzt wird, die Blau-blockend (also gelb) ist, oder klar.


Dieser Blog-Eintrag wurde 2020-04-07 erstellt, wird aber immer mal durch aktuelle Informationen ergänzt.

→English version


 

¹ Bei bestimmungsgemäßer Verwendung.
² “melanopisch” heißt, dass die Wellenlängen entsprechend der spektralen Empfindlichkeit der melanopsinhaltigen Ganglienzellen in der Netzhaut gewichtet werden; das Maximum liegt im blau-grünen Bereich.